DX15983 DX15983 DX15983

Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.

                                                                                   Antoine de Saint-Exupery

Vom Glücklichsein

Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern. Konfuzius

Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben. Abraham Lincoln

Es kam eine Frau zum Meister, die ihn nach dem Geheimnis eines erfolgreichen Lebens fragte. Die Antwort des Meister lautete: „Mach jeden Tag einen Menschen glücklich!“ Nach einem kurzen Moment fügte er hinzu: „Selbst wenn dieser Mensch du selbst bist.“ Und einen weiteren Augenblick später sagte er: „Vor allem, wenn dieser Mensch du selbst bist.“

Von der Achtsamkeit und Aufmerksamkeit

Ein alter Zen-Meister stand am Ende seines Lebens. Seine Schüler versammelten sich um sein Sterbebett. Einer von ihnen wusste, dass der Meister sein ganzes Leben lang eine besondere Art von Küchlein geliebt hatte. So war er am Tage zuvor durch die Stadt gelaufen, um diese Küchlein aufzutreiben. Glücklich bot er dem Meister nun ein solches Küchlein an.
Der alte Mann nahm den Kuchen mit zitternder Hand und einem müden Lächeln. Er führte ihn zum Mund und kaute langsam. Seine Kräfte schwanden zusehends.
Ein Schüler fragte leise, ob er noch eine letzte Botschaft für sie habe. Der Meister nickte. Die Schüler rückten ganz nahe zum Meister, um seine schwache Stimme zu hören. "Diese Küchlein sind einfach wunderbar." und er verstarb.
Nach Marco Aldinger: Geschichten für die kleine Erleuchtung

Das wahre Wunder besteht nicht darin, in der Luft zu schweben oder auf dem Wasser zu wandeln, sondern darin, auf der Erde zu gehen. Lin Tsi

Nan-in war ein Zen-Meister. Seine Schüler lernten mindestens zehn Jahre bei ihm, bevor sie selbst zum Lehrer wurden. Tenno, einer seiner Schüler, besuchte seinen Meister, nachdem er im Anschluss an seine Lehrzeit selbst zum Lehrenden geworden war. Da es ein regnerischer Tag war, hatte Tenno Holzschuhe und einen Regenschirm bei sich. Als er zu Nan-in getreten und ihn begrüßt hatte, sagte dieser: "Ich nehme an, dass du deine Holzschuhe im Vorraum gelassen hast. Sag mir doch, ob du deinen Regenschirm rechts oder links von den Schuhen abgestellt hast."
Tenno war verwirrt und konnte die Frage nicht beantworten. Er erkannte, dass er nicht in der Lage war, seine Aufmerksamkeit in jedem Moment bei sich zu haben. Und so studierte er noch weitere zehn Jahre bei Nan-in.

Von der Ruhe und Gelassenheit

Was versäumt jemand, der sein Leben langsam lebt? Und was erreicht derjenige, der es so schnell wie möglich lebt? Was gewinnen Sie durch Geschwindigkeit? Die Ruhe wohnt in der Nähe der Weisheit.

Das Gras wächst nicht schneller, wenn du daran ziehst. Afrikanisches Sprichwort

„Das Glück“, sagte ein Meister zu seinem Schüler „ist wie ein Schmetterling. Wenn du ihm nachjagst, entwischt er dir. Setzt du dich aber hin, lässt er sich auf deiner Schulter nieder.“ „Was aber soll ich nun tun, um das Glück zu erlangen?“ fragte der Schüler. „Hör auf, hinter ihm her zu sein“ antwortete ihm der Meister. „Aber“ fragte der Schüler „gibt es nichts, was ich tun kann?“ „Du könntest versuchen, dich ruhig hinzusetzen, wenn du es denn wagst.“ sprach der Meister.
Aus dem Shaolin Kalender 2010

Vom Miteinander

Das Gute wie das Schlechte ist wahr und beides sind Dinge dieser Welt.
Japanische Weisheit

Die Probleme der anderen

Es stand einmal in einem Dorf ein uralter, starker Baum. Eines Tages wurden alle Dorfbewohner eingeladen, ihre Sorgen, Probleme und Nöte gut verpackt an diesen Baum zu hängen. Die Bedingung war allerdings, dafür ein anderes Paket mitzunehmen.
Zu Hause wurden die fremden Pakete geöffnet. Doch es machte sich Bestürzung breit, denn die Sorgen und Probleme der anderen schienen deutlich größer als die eigenen!
Und so liefen alle wieder zurück zu dem alten Baum und nahmen statt der fremden schnell wieder die eigenen Pakete an sich und gingen zufrieden nach Hause.
Geschichte aus Indien

Zwei Mönche waren auf der Wanderschaft, als sie eines Tages an einen Fluss kamen. Dort stand eine Frau mit wunderschönen Kleidern. Sie wollte den Fluss überqueren, aber da das Wasser tief war, war ihr das nicht möglich, ohne ihre Kleider zu beschädigen. Ohne zu zögern ging einer der Mönche auf die Frau zu, hob sie auf seine Schultern und watete mit ihr durch das Wasser. Auf der anderen Flussseite setzte er sie trocken ab. Nachdem auch der andere Mönch den Fluss überquert hatte, setzten die beiden ihre Wanderung fort.
Nach etwa einer Stunde begann der eine Mönch den anderen zu tadeln: „Du weißt doch, dass das, was du getan hast, nicht richtig war, nicht wahr? Du weißt, dass wir keinen nahen Kontakt zu Frauen haben dürfen. Wie konntest du nur gegen diese Regel verstoßen?“
Der Mönch, der die Frau durch den Fluss getragen hatte, hörte sich die Worte des anderen ruhig an. Dann antwortete er: “Ich habe die Frau vor einer Stunde am Fluss abgesetzt – warum trägst du sie immer noch mit dir herum?
Aus dem Shaolin Kalender 2010